cinema, November 1999
eXistenZ

Computerspiel total: Hier schließen sich die Spieler über ihr Rückenmark an eine lebende Playsation an

Sind wir im Spiel, oder ist das jetzt Realität? Diese Frage stellen sich sowohl die Figuren in diesem bizarren Drama als auch die Kinozuschauer immer wieder. Das Computerspiel eXistenZ imitiert die Wirklichkeit nahezu perfekt - und die dazugehörige Playstation, hier Gamepod genannt, sieht aus wie die Kreuzung aus einer Niere und einem Fötus. Aber das Spiel ist nicht unumstritten. So wird Allegra Geller, Erfinderin der Menschmaschine, bei einem Attentat von "Fanatikern der Realität" verwundet. Angeschossen aus einer Knochen-Pistole, die statt Kugeln Zähne abfeuert - oder ist diese Szene wieder nur ein Spiel im Spiel? Mit ihrem Leibwächter tritt Allegra die Flucht nach vorn an, in den Cyberspace, obwohl der Gamepod gerade kränkelt. Dort begegnen sie doppelköpfigen Miniaturechsen und anderen Mutanten, wie sie aus früheren Filmen des Kanadiers Cronenberg ("Scanners", "Naked Lunch") bekannt sind. Aber in den meisten Szenen kann man die virtuelle Welt nicht von der realen unterscheiden. Zu normal sehen Schauplätze wie eine Waldlichtung oder ein chinesisches Restaurant aus. Ein bisschen arg selbstverliebt springt Cronenberg in seinen Welten umher, untermalt das Ganze mit Soundfetzen aus "Spiel mir das Lied vom Tod" und holt aus seiner starken Idee keine durchgängig mitreißende Story. Volker Marquardt