Kieler Nachrichten, 9.1. 1987

Filmkritik "Die Fliege"

Die Ängste der Erwachsenen

Der Kanadier David Cronenberg gehört zu den ganz besonderen Science-Fiction- und Fantasy-Regisseuren. Er verbindet in seinen Filmen Imagination und Mythos, philosophische Reflexion mit einer bestimmten, sehr individuellen Weltsicht von bestechender Intelligenz. 1980 stellten ihn die Hofer Filmtage vor. Der sechste Film Scanners kam daraufhin prompt in die Kinos, ein Thriller über die zerstörerische Kraft telekinetischer Fähigkeiten, die durch wahnwitzige Produkte der Pharmaindustrie hervorgerufen werden. Mit Dead Zone lieferte Cronenberg dann, nach einem Roman von Stephen King, einen faszinierenden Beitrag zum Thema "zweites Gesicht". Unter den Horror- und Fantasy-Fans gilt Cronenberg längst als Kultregisseur. Jetzt hat er ein neues Meisterwerk gedreht, das von der Verwandlung des Menschen zum Tode handelt: Die Fliege.

Die gleichnamige Erzählung des belgischen Autors George Langelaan wurde bereits 1958 mit Vincent Price in der Regie von Kurt Neumann verfilmt. Cronenberg jedoch hat die eher schwache Geschichte mit der altbacken verlogenen Moral von den Grenzen des wissenschaftlichen Experimentierens völlig umgeschrieben.

Die Fliege erzählt die Geschichte eines Wissenschaftlers, der die Teleportation entdeckt hat. Jeff Goldblum spielt ihn als einen modernen jungen Mann von heute, der von seiner Idee besessen ist und für sie lebt. Nachdem es ihm gelingt, Materie von einem kabinettähnlichen Gebilde, "Telepod" genannt; in ein nächstes zu transportieren, indem es per Computer-Knopfdruck im ersten aufgelöst and im zweiten wieder rematerialisiert wird - will er dieses Experiment auch mit Lebewesen wagen.

Es klappt mit einem Affen, und dann setzt sich der Wissenschaftler selbst in den Telepod. Doch er bemerkt nicht, daß eine Fliege mit ihm in der Kammer sitzt. Das hat verheerende Folgen bei seiner eigenen Rematerialisierung . . .

Cronenberg: "Mein Film handelt von existentiellen menschlichen Phänomenen, von der Liebe im Angesichts des Todes vom Älterwerden, das mit physischer Veränderung zu tun: hat. In diesem Sinne ist jeden dazu bestimmt, ein Monster zu werden. Ich selbst habe erlebt wie meine Eltern starben - es war genauso wie in meinen Film"

George Romero, der Zombie Phantast, hat einmal gesagt, daß er sich mit den Ängsten der Kindheit beschäftigt. Bei Cronenberg hingegen geht es um die Ängste der Erwachsenen.


FRAUKE HANCK