Die Zeit, 13.3.1981

 

Enttäuschend

"Scanners" von David Cronenberg, dem Werke wie "Rabid" und "The Brood" als plastische Projektionen innerer Wahnwelten unter Horrorexperten  den Ruf eines "Kultfilmers" eintrugen. "Scanners" (Antennen) nennt er Menschen, die direkt mit fremden Nervensystemen kommunizieren, Gedanken lesen und Gegnern allein durch Konzentration tödliche Krämpfe beibringen können. Ein telekinetisches Talent, das nicht der Büchse der Pandora entspringt, sondern - eine makabre Analogie zu "Contergan" - im pharmazeutischen Labor des dubiosen Dr. Ruth (Patrick McGoohan) entwickelt wurde. Als die Opfer des genetischen Geniestreichs gegen ihren Einsatz als Geheimwaffen rebellieren, schickt der allmächtige Sicherheitskonzern "Consec" seinen besten Scanner (Stephen Lack) als Doppelagenten in den Untergrund. Den psychischen Qualen seiner Helden, dem Stimmen- und Gestaltengewirr in ihren manipulierten Gehirnen schenkt der kanadische Regisseur kaum Aufmerksamkeit.

Statt dessen zeigt seine brüchige Synthese aus Horror-, Spionage und Science-fiction-Motiven, wie Scanners nicht nur Köpfe zerplatzen, sondern auch Spannung erlahmen lassen. Jedenfalls wenn sie das Drehbuch (Cronenberg) zur langweiligen Pose stets überlegener Comic-strip-Figuren zwingt. Spiegelten die spektakulären Effekte in Cronenbergs "Parasitenmörder" traumatische Ängste, so gleichen sie hier eitel zelebrierten Zaubertricks, denen die blasse Vision vom volltechnisierten Überwachungsstaat und die Kritik an verantwortungsloser Pharmaforschung als Alibi aufgepropft werden. Das Showdown der Superscanner, von Make-up-Spezialist Dick Smith kreiert, der schon bei Friedkins "Exorzist" die Maske besorgte, dürfte allerdings als meisterhafte Scheußlichkeit in die Annalen des Horrorgenres eingehen.

Hartmut Wilmes